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#60000wörterin3tagen

Der Entstehung eines Buches muss man Zeit geben. Dachte ich immer, bis ich von Jenny Karpes verrücktem Selbstexperiment hörte, in drei Tagen ein Buch zu schreiben. Da ich mit der Fortsetzung von Lucrum II sehr weit hinterher hinkte, entschied ich mich, in Jennys Spuren zu treten. In meinem Urlaub war es dann so weit. Nach einer kurzen, aber intensiven Vorbereitung war ich bereit für den Wahnsinn.

Den Abend davor verbrachte ich mit viel Herzklopfen, weil ich Angst hatte, nicht durchzuhalten. Ich hatte zwar schon oft Extrem-Schreibphasen, aber nie eine bewusst herbeigeführte, ja sogar erzwungene. Aber was soll’s, dachte ich mir, denn immerhin hatte ich die Aktion ja bereits auf Instagram angekündigt. Augen zu und durch. Und genau diese Redewendung beschreibt meine Tage am besten.

Tag 1
Mein Wecker klingelte um 6 Uhr, also stand ich brav auf und setzte mich an meinen Schreibtisch, an dem schon alles vorbereitet war. Ich begann zu schreiben und stellte in der ersten Stunde erleichtert fest, dass die Worte nur so dahinflossen. Meine Finger fegten über die Tastatur und schufen Kapitel um Kapitel. Zwar erreichte ich nicht meinen Soll-Wörter-Durchschnitt pro Stunde, aber um ehrlich zu sein, hatte ich das auch nicht erwartet. Ich kippte fleißig Eistee, Espresso und Pepsi in mich hinein, um die Maschinerie am Laufen zu halten. Der Tag raste an mir vorbei und plötzlich war Abend, an dem wir noch Gäste erwarteten. Also schrieb ich einfach meine Pausen durch und hörte zwei Stunden früher auf, was mich trotzdem ca. 1200 Wörter kostete.
Jedem, der ein solches Experiment durchziehen will, rate ich, nach einem so langen Tag, nicht noch Gäste zu empfangen ;)

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Tag 2
Die aufgedrehte Stimmung am Abend in Kombination zu literweise Koffein, den ich sonst nie-nie-niemals zu mir nehme, sorgten dafür, dass ich bis in die frühen Morgenstunden nicht einschlafen konnte. Weil ich mein Experiment irgendwie retten wollte, stand ich erst um acht Uhr auf und verlor damit wieder wertvolle Zeit und Wörter. Der Morgen war auch tatsächlich hart und ich musste mich zwingen, die Augen offen zu halten. Am Nachmittag musste ich das Experiment dann schliesslich für einen Mittagsschlaf unterbrechen, denn meine Geschwindigkeit war einfach zum Verzweifeln gering. Danach ging es tatsächlich nochmal aufwärts und ich habe die 1428 vorgenommenen Worte pro Stunde mal überschritten.
Leider plagten mich den ganzen Tag über starke Schmerzen in den Beinen. Das wunderte mich ein wenig, da ich viel eher Schmerzen in den Fingern erwartet hatte, so wie Jenny es in ihrem Abschlussbericht geschrieben hatte. Ab und an tat der kleine Finger der linken Hand weh, ansonsten verspürte ich dann und wann ein leichtes Kribbeln, aber nichts Ungewöhnliches.
Ich schrieb bis Mitternacht und war unendlich dankbar, als sich der zweite Tag dem Ende neigte und ich schlafen konnte.

Tag 3
Obgleich ich früher aufgestanden war, als geplant, erreichte ich meine Rekordzahl des letzten Tages nicht mehr. Das Schreiben war inzwischen zu einem Rhythmus geworden: Schreiben bis zur vollen Stunde, dann eine kurze Pause, die ich dann und wann ausfallen ließ. In der ersten Hälfte der Stunde gab ich immer Vollgas, damit ich es in der zweiten langsamer angehen lassen konnte. Kinderriegel, Duplos und Ü-Eier waren meine persönliche Motivation, während mich der Mitbewohner mit Mittagessen und Snacks versorgte. Gegen Abend begann ich, mit Musik zu schreiben, was mich nochmal ein wenig beflügelte, bis… Ja, bis mein Skript zu Ende war und ich zwei Stunden früher aufhören musste. Wie konnte das passieren? Beim Marathon-Schreiben arbeitete ich recht wenig mit Beschreibungen, weil meine persönlichen Helferlein in der Regel aus Google Maps und diversen Bildern und Kartenmaterial bestehen. Diese zu nutzen, hätte zu viel Zeit gekostet. Eine Arbeit, die ich jetzt natürlich nachtragen werde, denn jeder, der Lucrum gelesen hat, weiß, wie wichtig mir Orts- und Architekturbeschreibungen sind. Diese werden auch im zweiten Teil nicht zu kurz kommen und das futuristische London zum Leben erwecken.

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Fazit
Ich mache es wieder. Marathon-Schreiben bedeutet, an mancher Stelle auf gewisse Details zu verzichten. Da ich meine Bücher ohnehin mehrfach korrigiere, pflege ich diese einfach im Anschluss ein. Die erste Version von Lucrum ist auch nicht diejenige, die jetzt als Buch erhältlich ist. In der ersten Version gab es keine Ava, die habe ich erst nachträglich hineingeschrieben. In der zweiten Version hatte sie einen Namen, der mir inzwischen entfallen ist. In der dritten Version bekam sie erst ihre charakteristischen Widderhörner. Figuren erwachen erst nach und nach zum Leben, je länger man sich mit ihnen beschäftigt. Manche sind etwas schwieriger zu greifen als andere. Deswegen habe ich keine Angst davor, dass mir bei einem Buch über Nacht gewisse Dinge verloren gehen. Sofern man mit einem gut ausgearbeiteten Skript arbeitet, sehe ich im Marathon-Schreiben eine hervorragende Möglichkeit, in kürzester Zeit eine gute Basis zu schaffen, aus der man dann etwas Fantastisches schaffen kann. Das ist zumindest mein Vorsatz für Lucrum II, das ihr dank meiner drei Tage durchschreiben voraussichtlich schon im Dezember in den Händen halten könnt.

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4 Comments

  • Reply
    Sonja
    23/09/2016 at 7:37

    Liebe Anika, ein wirklich spannender Bericht und Respekt vor deiner unglaublich grossen Leistung :)
    Ganz liebe Grüsse, Sonja <3

    PS: Deine neue Webseite ist super schön geworden, ich bin begeistert!

    • Reply
      Anika Ackermann
      23/09/2016 at 23:47

      Meine liebe Sonja ? vielen Dank für deine schönen Worte ? Die freuen mich natürlich riesig, weil mir dein Urteil immer wichtig ist ?? Liebe Grüße ??

  • Reply
    Jenny Karpe
    26/09/2016 at 17:40

    Ui, du hast aber reingehauen! Herzlichen Glückwunsch zu deinem Marathon! :) Wie viel hast du denn eigentlich geschrieben? Ich hatte mir 60k vorgenommen und “nur” 50k geschafft. Das war trotzdem eine ganz schöne Nummer. Beendet war der Roman dann längst nicht.
    Wie lange hast du dich plotmäßig darauf vorbereitet?
    Respekt zu dieser Leistung, liebe Anika!
    LG, Jenny

    • Reply
      Anika Ackermann
      27/09/2016 at 12:31

      Oh wow, Jenny Karpe persönlich auf meiner Seite ? Wie schön, dass Du hier gelandet bist ? :)
      Vielen Dank :)
      Meinen Marathon habe ich mit 47685 Wörtern beendet. Ich hätte zu gerne auch die 50000 geknackt, leider musste ich vorzeitig aufhören, da mein Skript zu Ende war. Das Buch ist die Fortsetzung meines Debütromans Lucrum. Ich hatte vorab schon 6 Kapitel, übrig geblieben sind nach dem Schreiben noch 4. Daran arbeite ich aktuell. Vorbereitet war ich sicher nicht so gut wie Du, weil ich mir das zwei Wochen vorher spontan für meine Ferien überlegt hatte. Ich habe pro Kapitel 3 PC-Seiten Plot gehabt, mit denen ich dann klarkommen musste :D Das war ein wenig sportlich und wenn ich da vorher fleissiger gewesen wäre, hätte ich sicherlich auch mehr in den drei Tagen schreiben können. Aber aus der Zeit, die ich hatte, habe ich einfach das Beste gemacht. Bis Dezember möchte ich komplett fertig sein. Mal sehen, ob ich das schaffe ;)
      Ich hab die ganze Zeit beim Schreiben an Dich gedacht. Ohne Dich und Deine Vorgabe hätte ich das nie durchgezogen! VIELEN DANK!!!!
      Liebe Grüsse,
      Anika ?
      P.s.: Sorry für das -ss-, ich sitze an einer Schweizer Tastatur ;)

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