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Im Gespräch mit dem Covergott Alexander Kopainski

Schon als ich die ersten Worte von Varia geschrieben hatte, wusste ich, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes für mich werden würde. Und so lag es nahe, auch einen ganz besonderen Künstler mit dem Cover zu beauftragen. Alexander Kopainski ist ein Meister seines Fachs. Mehr noch: In Booknerdkreisen gilt er unangefochten als Covergott. Für unzählige Selfpublisher und Verlage gestaltet er einzigartige Cover und lässt unzählige Lesemäuseherzen höher schlagen – meins übrigens auch. In diesem Interview spricht Alex über sein allererstes Cover, welchen Schwierigkeiten er sich beim Schaffensprozess gelegentlich stellen muss und wohin die Reise als nächstes geht – viel Freude beim Lesen!

Anika: Hi Alex, toll, dass Du Dir die Zeit nimmst, heute ein bisschen mit mir zu plaudern. Wie geht es Dir?
Alex: Hi Anika. Mir geht es blendend! Und dir?

Anika: Abgesehen davon, dass ich mir die Veröffentlichung von Varia totales Herzrasen beschert, geht es mir super, danke :)
Ich hab schon ein paar Interviews gemacht, war aber noch nie auf der Fragenstellerseite. Deswegen würde ich vorschlagen, dass wir locker anfangen, um uns aufzuwärmen: Was hast Du heute Morgen gegessen?

Alex: Mein Frühstück ist meistens recht unglamourös und beschränkt sich auf einen Becher Skyr und zwei Orangen. Ich koche zwar fast jeden Tag, aber beim Frühstück muss es für mich schnell und praktisch sein :D

Anika: Ich nehme mir Deine Stories auf Instagram, in denen Du Dein Essen mit uns teilst, ja immer zum Vorbild. Sieht immer so lecker aus, was Du da zubereitest. Deshalb musste ich einfach fragen ;) Aber ums Essen soll es hier natürlich heute nicht gehen, obwohl ich mich Stunden darüber unterhalten könnte. Ich versuche jetzt mal den Bogen zum eigentlichen Thema zu schlagen: Könntest Du Dir vorstellen, auch Cover für Kochbücher zu gestalten?
Alex: Haha xD Ich hätte mir jetzt keine bessere Überleitung vorstellen können. Wenn mir das Kochbuch und das dazugehörige Briefing inhaltlich gefallen, würde ich auch in diesem Bereich Cover gestalten.

Anika: Okay, ich gebe zu, ein bisschen holprig war diese Überleitung schon. Ich versuche es einfach nochmal. Alex, in Buchkreisen wirst Du als Covergott bezeichnet. Du hast zweimal den Deutschen Phantastik Preis als bester deutschsprachiger Grafiker abgeräumt und den zweiten Platz des Lovelybooks Leserpreises 2016 mit dem Besten Buchcover belegt. Du hast über 350 Buchcover entworfen und dabei mit mehr als 20 Verlagen und 70 Selfpublishern zusammengearbeitet. Wie fing alles an? Erinnerst Du Dich an Dein allererstes Cover?
Alex: Mein allererstes Cover habe ich damals noch für mich selbst gestaltet, als ich mein Geschreibsel im Internet hochgeladen habe. Da ging es um Trolle und Elfen und alles drumherum. Da ich damals noch sehr jung war und noch keinen richtigen Zugang zu Bildbearbeitungssoftware hatte, habe ich es selbst gezeichnet und mit … *hust* … Word bearbeitet. Mein erstes Auftragscover habe ich dann etwa 5 Jahre später gestaltet. Das war ein Cover für die Liebesroman-Autorin Miranda J. Fox.

Anika: Wie hat sich Deine Arbeitsweise seitdem verändert?
Alex: Ich lasse die Finger von Word. Haha :D Naja, zusammengefasst: meine Arbeitsweise hat sich immer mehr professionalisiert.

Anika: Wir haben uns ja Anfang 2017 per Mail und wenig später persönlich auf der Leipziger Buchmesse kennengelernt. Damals begann unsere (bisher unglaublich tolle) Zusammenarbeit und seitdem hast Du mir zwei wunderschöne Cover für meine Bücher Soul of Stars und Varia gestaltet. Vorab habe ich Dir immer ein bisschen von der Geschichte und den Figuren erzählt und dann hast Du mich gleich mit dem ersten Entwurf vom Hocker gehauen. Wusstest Du von Anfang an, wie die Cover aussehen würden, als ich Dir von den Büchern erzählt habe?
Alex: Nein, absolut gar nicht. Bei Soul of Stars hatte ich unheimliche Schwierigkeiten und brauchte drei Anläufe, bis ich einen Entwurf gestaltet hatte, der mir gefällt und von dem ich sicher war, dass er zum Buch passt. Kennst du dieses Klischeebild vom uninspirierten Künstler, der an seinem Schreibtisch sitzt und immer wieder Papier zerknüllt und in den Papierkorb wirft? Genau. 
Bei Varia war es jedoch recht einfach. Du sagtest mir, dass ein runder Rahmen perfekt wäre und auch eine treffende Illustration der Stadt hast du mitgeliefert. Da bin ich deutlich schneller reingekommen. Aber so individuell die Bücher sind, so unterschiedlich ist auch die Arbeit an den Covern.

Anika: Das klingt total spannend, da würde ich ja gerne mal unter meinen Tarnumhang schlüpfen und Dir beim Arbeiten zuschauen. Dass Du bei Soul Startschwierigkeiten hattest, sieht man dem Cover jedenfalls nicht an. Es ist einfach ein Traum!
Wie verwandelst Du die losen Vorstellungen Deiner Kunden denn eigentlich in ein Cover? Was ist das Erste, das Du im Schaffensprozess erledigst? Machst Du Dir nur Gedanken oder auch Notizen oder sogar Skizzen?

Alex: Skizzen mache ich nur, wenn ich wirklich feststecke. Das meiste entsteht einfach im Prozess – man hat eine grobe Vorstellung, mit der man sich durch Bildmaterial wühlt, bis man fündig wird und daraus ein stimmiges Gesamtbild gestaltet.

Anika: Hast Du auch Momente, in denen Du denkst: Nö, dazu fällt mir nix ein!?
Alex: Nein. Ich denke zwar oft, dass mir gerade nichts einfällt – aber ich weiß, dass mir etwas einfallen wird.

Anika: Ich warne Dich vor: Jetzt kommt eine fiese Frage! Gibt es von all Deinen Covern eines, das Dir am besten gefällt?
Alex: Das wechselt sich immer ab. Derzeit ist es »Phoenicrus – Die Trilogie« von Mirjam H. Hüberli.

© Alexander Kopainski

© Alexander Kopainski

Anika: Das Phoenicrus-Cover ist wirklich einzigartig! Ich persönlich habe ja mehrere Favoriten, bzw. Details, an denen ich mich nicht satt sehen kann. Denn eines haben Deine Cover alle gemeinsam: Man muss mehrmals hinschauen, um alle Details zu erfassen. Immer wieder entdeckt man etwas Neues. So finde ich zum Beispiel die „Teufelsfratze“ auf Mira Valentins „Die Flammen von Enyador“ einfach unbeschreiblich. Wunderschön finde ich auch die märchenhafte Aufmachung von „Schwanenfeuer“ und „Blütenzauber“ von Regina Meissner oder den spannungsgeladenen Kontrast zwischen Hintergrund und Schrift bei Katharina Seeks „Adriana zwischen den Welten“. Was inspiriert Dich zu Deinen Covern?
Alex: Vielen Dank! Inspiration ist für mich eine Essenz aus allen Umwelteinflüssen, die tagtäglich auf einen einprasseln. Wenn ich einen Einfall habe, schreibe ich den sofort in meinem Handy auf. Von Unterhaltungen bis zu Gerüchen, Musik oder visuelle Eindrücke ist da alles dabei. Ganz oft passiert es aber auch, dass eine Idee aus dem Briefing entsteht, das ich bekomme. Ich würde sagen, die Geschichten selbst sind die größte Inspiration für meine Arbeit am Cover – das liegt nahe, denke ich.

© Alexander Kopainski

Anika: Was möchtest Du unbedingt mal bei der Gestaltung eines Buchcovers machen?
Alex: Ich würde mich mit allen krassen Veredelungen im Druck ausleben. Egal, was es kostet ;)

Anika: Und was liebst Du an Deinem Beruf am meisten?
Alex: Den Moment, wenn der Autor sich total über den Coverentwurf freut, die Leser das Cover auch toll finden und wenn man seine eigenen Cover in der Buchhandlung sieht.

Anika: Hach, das hast du jetzt aber schön gesagt :)
Alex, Du hast ein unglaubliches Talent, mit dem Du viele, viele Menschen glücklich machst. Deshalb finde ich den Titel „Covergott“ wie für Dich gemacht. Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du hörst, dass Dich Leute (ich auch) als solchen bezeichnen?
Alex: Vielen Dank, Anika. Das ist natürlich immer ein riesiges Lob für mich und ich freue mich auch immer darüber.

Anika: All das hast Du in nur 5 Jahren erreicht, einfach unglaublich! Wie viel Zeit für Dich bleibt da noch übrig?
Alex: Sagen wir mal so: ich wünschte, der Tag hätte doppelt so viele Stunden. Wenn ich beispielsweise Urlaub machen möchte, türmt sich die Arbeit davor und danach immer sehr stark auf. Außerdem mache ich gerade noch mein Diplom in Kommunikationsdesign.

Anika: Lass uns doch zusammen einen Antrag stellen auf die Verdopplung der Stunden am Tag. Ich wäre da jedenfalls sofort dabei, denn mir geht es meistens genauso…
Aber bei Thema Urlaub. Auf Instagram nimmst Du uns mit auf Deine Reisen. Wohin geht es als nächstes?

Alex: Als nächstes geht es nach London. Aber danach fliege ich nochmal weiter weg – Singapur, Borneo, Kuala Lumpur, Kambodscha und Shanghai.
(Anmerkung Anika: Das Interview haben wir vor einiger Zeit geführt. Wer Alex’ Reise nachverfolgen möchte, sollte unbedingt mal auf seinem Instagram Feed vorbeischauen. Dort hat er seine Follower mitgenommen.)

Anika: Hach, London <3 Ich zitiere mal frei nach den Ärzten: Diese eine Liebe wird nie zu Ende geh’n!
Alex, ich danke Dir für das tolle Interview und wünsche Dir noch ganz viele grandiose Coverideen, atemberaubende Reisen und gutes Essen. Danke für Dein Herzblut, das Du in Soul und Varia gesteckt hast. Ich freue mich sehr auf alle zukünftigen Projekte mit Dir <3

Alex und ich beim Drachenmond Verlag auf der LBM18

 

Wer nicht genug von Alex kriegen kann, sollte ihm einen Besuch auf seiner Website abstatten, wo man all seine wunderschönen Cover bewundern kann. Zu Alex’ Reich geht es hier entlang. Beyonce-Fans, Entdecker wunderschöner Orte und Freunde des guten, aber gesunden Geschmacks sollten dem Grafikdesigner auf jeden Fall auf Instagram folgen. Aber auch auf Facebook ist Alex zu finden, wo er regelmäßig neue und unfassbar schöne Cover enthüllt.

Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Alexander Kopainski – dankeschön :)

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